Für Erzeugnisse, die ihren Preis wert sind, bin ich bereit zu zahlen (plus Lob über iTunes 10.6)
Freitag, 30. März 2012 17:02
Obgleich ich nur vom Einkommen eines mittelmäßigen Azubis lebe, bin ich doch bereit für preiswerte Musik und einen guten Service zu zahlen. So hinterlasse ich in privaten Bäckereien auch immer ein bisschen Trinkgeld, weil ich meine damit den guten Service (sofern er denn vorhanden war) zu bezahlen. Anders verhält sich das in Supermärkten oder Fastfood-Ketten (z. B. Subway). Dort hinterlasse ich in der Regel nicht mehr Geld als nötig, da ich aus eigener Erfahrung weiß, dass die Verkäufer von dem Geld nichts haben und es einfach als “Plus” abrechnen müssen.
Hierzu noch eine kleine Geschichte aus meiner Zeit als VK bei einer Bäckerei-Kette: Kunde kommt, nimmt sich seinen Fraß, bezahlt, ich gebe Rückgeld, Kunde fragt “Dürfen Sie es behalten wenn ich Ihnen Trinkgeld gebe?”, ich antworte wahrheitsgemäß mit “Nein.”, Kunde steckt Geld ein und zischt ab. Er hat es richtig gemacht.
Und mit preiswerter Musik meine ich keinesfalls günstige Musik – sondern Musik, die in meinen Augen ihren Preis aufgrund der Wertigkeit verdient hat.
Warum ich plötzlich über Musik und guten Service quatsche?
Weil ich mir am Montag bei iTunes diverse Musikstücke gegen Bezahlung heruntergeladen habe. Viele werden mich dafür sicherlich hassen, aber es tut gut, für etwas Gutes auch zu bezahlen. Man kann das Gefühl nur schwer umschreiben – aber da ist etwas das entsteht, wenn man Sachen bezahlt. Es hat keine Verwandtschaft mit Dopaminschüben oder Ähnlichem, aber es ist schön. Es fühlt sich einfach gut an … so ein Hauch von Oberschicht.
Jedenfalls habe ich nach Monaten mal wieder Welle:Erdball gehört. Kurz bevor das Album “Der Kalte Krieg” herauskam, wechselte ich mal wieder meine Musikrichtung in den Bereich Trance und Hardtechno – so verpasste ich alles Weitere von Welle:Erdball Erschienene. Durch Youtube klickerte ich mal wieder bisschen in der Gegend rum und fand viele neue Tracks, die mir sehr gut gefielen. Darunter “Der Kalte Krieg”, der überarbeitete Track “Amerika” sowie der ebenfalls neu aufgelegte Track mit dem Namen “Starfighter F-104S”. Wunderschöne Melodien und durchdachter Text (wie natürlich auch die anderen Tracks).
Durch die “Ähnlichen Videos”, welche Youtube für gewöhnlich vorschlägt, bin ich dann zu “The Girl & The Robot” gekommen. Dieses Pärchen besteht zum einen aus Frl. Plastique (die schon viel für Welle:Erdball gesungen hat) und deadbeat (einem Kerl den ich nicht weiter kenne, der aber scheinbar gute Melodien erschaffen kann). Über iTunes habe ich mir dann Montag gegen um 6 schnell zwei Alben gekauft und heruntergeladen. Insgesamt habe ich 14 Euro bezahlt und konnte nach wenigen Augenblicken hören.
Das war auch das erste Mal, dass ich bei iTunes Musik gekauft habe. Und ich bin begeistert.
Weiteres Lob geht an den iTunes-Client für Windows. Am späten Nachmittag, als ich nach Hause kam, wollte ich (um meine Musiksammlung mit ein bisschen anderer Musik zu bestücken) zwei CDs von Schlaflos rippen und auf mein iPhone spielen. Seit iTunes 10.6 hat sich die Performance wirklich enorm gebessert. Musik ist im null Komma nichts in die Bibliothek eingefügt und auf das mobile Endgerät geschoben. Früher (also mit alten iTunes-Versionen) dauerte das gefühlte Stunden.
Teilweise ist der Client dennoch unbrauchbar – zum Beispiel zum simplen hören von CDs oder normaler Musik. Dafür ist er einfach zu lastig in Hinsicht auf Design und Umfang. Was, wie ich seit Lesen der Steve Jobs Biografie weiß, zum größten Teil dem unbändigen Design-Perfektionismus Jobs’ anzuhängen ist.
Ich bevorzuge zum einfachen hören von Streams noch immer den VLC-Player unter Linux als auch Windows. Im Gegensatz zu genanntem Hipster-Pionier mag ich minimale Programme bei denen möglichst wenig Wert auf Design gelegt wurde. Übertrieben antiästhetische Erzeugnisse, wie zum Beispiel Videos von HGich.t oder, um ein Softcore-Beispiel zu nennen, russische Autos.
Hiermit wollte ich nur einmal zeigen, dass es durchaus Leute gibt, die gewillt sind für Sachen, die ihren Preis wert sind, zu zahlen. Dementsprechend ist die These der ach so bösen “Kostenloskultur”, wie diverse Politiker (übrigens mein persönliches Unwort 2012, also “Kostenloskultur”, nicht “Politiker”, wobei das den Titel auch mal verdient hätte) sie bezeichnen, hinfällig.
Alles andere als hinfällig ist nun folgender Comic, er zeigt die Gefahren die sich mir in der Gesellschaft auftun können, wenn ich öffentlich zugebe, dass ich Musik legal erwerbe:
Thema: Kommentar | Kommentare (7) | Autor: Maltris


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